Umzugs-Tagebuch

Auf neuen Pfaden

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Seit 2006 haben wir Malteser unsere Unterkunft in Meckenheim in einem ehemaligen Hausmeisterbungalow am Schulcampus. Dort ist unser „zu Hause“. Das Wohnzimmer ist unser Ausbildungsraum, in den drei Schlafzimmern befinden sich Büros und ein Besprechungsraum, der Keller dient als Lager und Umkleide.

In den Schulen betreiben wir Schulsanitätsdienst, ab und zu konnten wir einen Erste Hilfe-Kurs oder einen unserer Dienstabende im direkt gegenüber gelegenen „Juze“, später Mosaik durchführen. Die Schulsanis der Hauptschule hatten ihren Unterricht in unserem Ausbildungsraum.
Doch allmählich wurden die Räume für uns zu klein. Bei Dienstabenden und in unseren Kursen wurde es allmählich eng für die Teilnehmer, und auch unsere beiden Jugendgruppen hatten immer mehr Probleme, alle Kinder und Jugendlichen zeitgleich einen Platz finden zu lassen – nicht, weil wir nicht genug Stühle haben, sondern weil die nicht alle in den Ausbildungsraum passen.
Vor zwei Jahren begannen dann in Meckenheim die endgültigen Planungen für das neue Rathaus am Neuen Markt. Die Stadt, unser Vermieter, deutete an, unseren Bungalow wieder für Wohnzwecke nutzen zu wollen. Damit stand fest: Spätestens 2017 müssen wir raus!

Weil es ohnehin inzwischen zu eng geworden war, hatten wir damit jetzt auch einen Anlass von außen, uns nach neuen Räumlichkeiten umzusehen. Damit begannen die Planungen: was haben wir jetzt, was brauchen wir und was wäre schön zu haben?

Unsere Fahrzeuge und einiges an Material stehen in einer Halle am Wiesenpfad. Bei Einsätzen bedeutet das, dass zunächst jemand Fahrzeug und Hänger dort holen muss und dann an der Dienststelle das restliche Material und die Helfer abgeholt werden. Ein wichtiger Punkt war also, dass die neue Unterkunft möglichst eine Halle haben soll. Oder zumindest nicht weiter weg ist von unserer Halle als bisher.

Dazu benötigen wir einen Ausbildungsraum, der den Vorgaben der Berufsgenossenschaft entspricht, um weiter Erste Hilfe-Kurse anbieten zu können: das bedeutet, mindestens 50m2. Da wir oft an Samstagen zwei Veranstaltungen durchgeführt haben, wäre ein zweiter Raum zumindest gut.

Viele unserer Jugendlichen und Helfer haben kein Auto bzw. auch keinen Führerschein, also muss die neue Dienststelle auch gut zu Fuß oder mit dem ÖPNV erreichbar sein.

Da wir im Katastrophenschutz eine Betreuungskomponente stellen und bei großen Feuerwehreinsätzen für die Verpflegung sorgen, muss auch ein Platz vorhanden sein, wo wir bis zu 500 Portionen Essen gleichzeitig herstellen können – auch nachts. Bislang war das kein Problem: unsere einzige Nachbarin war da relativ entspannt und hatte kein Problem damit, wenn wir bei nächtlichen Einsätzen mit unseren Hockerkochern auf der Terrasse gekocht haben.

Damit hatten wir aber schon einige Einschränkungen, die uns die Suche nicht leichter machten: zentral, groß und so gelegen sollte es sein, dass wir die Nachbarn nicht stören, wenn wir mal einen Einsatz haben. Außerdem muss es erschwinglich sein. Alle unsere Einkünfte stammen aus den Erste Hilfe-Kursen, Sanitätsdiensten und Spenden. Damit finanzieren wir nicht nur die Miete für unsere Dienststelle, sondern auch die Ausbildung und Ausstattung unserer Helfer und die Jugendarbeit. Im Gegensatz zu einer Feuerwehr sind wir Malteser nämlich nicht von der Gemeinde finanziert. Lediglich für die Tätigkeit im Katastrophenschutz bekommen wir Zuschüsse vom Land, um die Fahrzeuge zu bewirtschaften, die uns dazu zur Verfügung gestellt werden.

Also haben wir uns auf die Suche gemacht: unser erstes Objekt der Begierde war mitten in Alt-Meckenheim, die ehemalige Videothek „Empire“. Hier hätten wir im Keller kochen können, es gab einen Lastenaufzug, zwei Eingänge, einen großen Raum für Kurse – leider scheiterte es an den hohen Heizkosten, die uns für das vollverglaste Erdgeschoss drohten.

Die Suche ging also weiter: als nächstes wurden wir am Neuen Markt fündig. In der ehemaligen Zulassungsstelle hätten wir genug Platz gehabt, auch um eine Küche einzubauen. Zentral gelegen war es, genug Parkmöglichkeiten gibt es, und wir hätten alle Räume nach unserem Bedarf planen können. Das Problem bestand hier jedoch darin, dass wir für die Küchengeräte sowohl Gas als auch einen Starkstromanschluss benötigen. Der Gasanschluss hätte allerdings noch gelegt werden müssen, und die Umbaukosten eine spätere Miete für uns unbezahlbar gemacht.

Dann kam – lange nichts. Jedenfalls nicht in Sachen Unterkunft. Aber: eine große Spende an fast neuer Profi-Kücheneinrichtung. Herde, Schränke, Kühlschränke, Arbeitstische, Kochgeschirr und Möbel. Alles nur für eine Staffel einer Kochsendung benötigt. Aus einer Großküche bekamen wir einen Konvektomaten und einen Kippbräter dazu. Riesenfreude! Aber auch: Wir brauchen Platz dafür. In Aussicht: nichts.

Im November 2015 bekamen wir einen heißen Tipp von einem unserer Helfer: Am Wiesenpfad steht eine Immobilie leer, dort gibt es Büros und Hallenfläche, alles ist in nur fünf Minuten zu Fuß von der Innenstadt und dem Bahnhof aus zu erreichen. Erste Kontaktaufnahme mit dem Vermieter und ein Besichtigungstermin Anfang Dezember folgen. Wir sind uns sicher: das ist es! Wir haben genug Platz, Hallenfläche direkt an der Dienststelle, und sogar: einen Goldfisch im Teich 😉 Gut, die Halle ist ein „bisschen“ zu groß für uns, aber wir können noch Stellplätze zum Beispiel für Wohnwagen vermieten, der Vermieter wäre einverstanden. Im Weg steht uns zunächst der Preis und die Tatsache, dass der Vermieter das Gebäude eigentlich nur komplett abgeben will. Aber der Vermieter möchte uns auch als Mieter haben. Und so beginnt ein echter Marathon. Wir müssen beim Bauamt der Stadt anfragen, ob unsere Tätigkeiten der Nutzungsordnung für das Gewerbegebiet entspricht, also ob wir dort überhaupt unsere Dienststelle einrichten können. Wir müssen den Vermieter davon überzeugen, uns nur die kleinere Halle mit dem Bürogebäude zu vermieten, und das auch noch zu einem geringeren Preis. Als das geschafft ist, neue Hiobsbotschaft für den Vermieter: die Halle war bisher keine Fahrzeughalle, es muss also ein Nutzungsänderungsantrag gestellt werden und eine bauliche Trennung zwischen „unserer“ und der anderen Halle errichtet werden, die die beiden Hallen als Brandabschnitte trennt. Alles das hat er über sich ergehen lassen. Nach einem knappen Dreivierteljahr war es dann so weit: der Mietvertrag war endlich fertig und wurde in unserer Diözesangeschäftsstelle unterschrieben.

Damit war es offiziell: wir bekommen ein neues zu Hause. Ab dem 1.1.2017 haben wir eine neue Adresse!

Und obwohl der Mietvertrag erst ab dem 1.11. läuft, haben wir schon in der letzten Woche den Schlüssel bekommen und können loslegen. Denn zu tun ist einiges, aber das erzählen wir ein anderes Mal…

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